SDG Blog #17: Starke Institutionen

Ulrike/ Mai 1, 2022/ SDG/ 0Kommentare

„Was soll es bringen, wenn ich hier auf’s Rad umsteige und gleichzeitig in China 20 neue Kohlekraftwerke gebaut werden?“ Kennt ihr solche Aussagen oder Gedanken von Menschen in eurem Umfeld, die bezweifeln, dass es auf dem Weg in eine enkeltaugliche Zukunft auch auf sie ankommt? Im Vergleich zur globalen Endlichkeit unserer Ressourcen sieht meine Selbstwirksamkeit vielleicht erstmal klein aus. Aber die Menschen um mich herum, meine Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen, beobachten mich. Ich kann mit ihnen darüber sprechen, warum ich kurze Strecken mit dem Rad oder zu Fuß zurücklege, warum ich in eine kleinere Wohnung umziehe oder meinen Schottergarten „entsiegle“. Und wenn ich vielleicht nicht besonders ansteckend bin mit meinem Verhalten, dann übernehme ich zumindest Verantwortung für mein eigenes Tun und Handeln.

Ihr seht, das Prinzip Verantwortung ist mir wichtig, und jeder Schritt in die richtige Richtung ist gleich viel wert. Unabhängig von der Reichweite, also unabhängig davon, ob ich als Kind das Elterntaxi zur Schule ablehne oder als CEO eines DAX Unternehmens den Startschuss für die Errichtung einer Recyclinganlage gebe.

Hilfreich beim gemeinsamen Verantwortung-übernehmen sind Institutionen. Denn sie definieren einen einheitlichen Handlungsrahmen, bilden Klammern und verleihen einer Entscheidung oder Maßnahme Gewicht und Schlagkraft. Institutionen schaffen Klarheit für den einzelnen in Bezug auf Familie (Verwandtschaft), Erziehung, Bildung und Ausbildung, Nahrungsbeschaffung, Warenproduktion und Verteilung (Wirtschaft) und für die Aufrechter-haltung einer gesellschaftlichen Ordnung (Recht, Sicherheit, Politik) und Kultur. Klar, um ihre Wirkung zu entfalten, müssen Institutionen beachtet werden.

Das Ziel #15 der Agenda 2030 betont die Notwendigkeit starker Institutionen, um allen Menschen auf der Welt eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. In den letzten Monaten sind mir bei meinen Recherchen dazu zwei besonders interessante Ideen aufgefallen. Und ich würde sie hier gerne zur Diskussion stellen:

Der Schotte Graeme Maxton, bis vor kurzem Generalsekretär des Club of Rome findet, wir brauchen für die vor uns liegende Transformation hin zu einer globalen Kreislaufwirtschaft auch eine globale Kraftanstrengung. Dafür müssten sich nach Maxton die einflussreichsten Institutionen der Welt zusammentun. Er stellt sich eine Troika aus den deutsch-sprachigen Ländern der EU, die das Thema Nachhaltigkeit schonmal gut durchdacht haben, dem Papst und der Volksrepublik China vor. Ist es aus Deiner Sicht denkbar, dass diese drei Institutionen in Sachen Nachhaltigkeit an einem Strang ziehen?

Ulrike Herrmann, Historikerin, Philosophin und Wirtschafts-Redakteurin der taz meint, uns fehle es nicht an Visionen und Zielbildern für die Kreislaufwirtschaft, aber an Ideen und volkswirtschaftlichen Überlegungen wie wir von hier dorthin kommen. Vorbild könnte gemäß Herrmann die britische Kriegswirtschaft von 1939 sein, in der der Staat vorrübergehend planwirtschaftlich eingreift, also bestimmt was produziert werden muss und wie die Güter fair verteilt werden, um das Land auf Hitlers Angriff vorzubereiten. Was hältst Du davon? Können wir von der Planwirtschaft lernen, um in Krisenzeiten schneller Entscheidungen im Sinne der sozio-ökonomischen Transformation zu treffen, ohne dabei die Demokratie abzuschaffen?

Super gespannt auf eure Gedanken,

Astrid

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