SDG Blog #15: Leben an Land

Ulrike/ Mai 1, 2022/ SDG/ 0Kommentare

Als er mit seinem Frosch-Mobil (Elektrofrosch | Elektrofahrzeuge – Günstig & Umweltfreundlich (elektrofrosch-berlin.de)) um die Ecke biegt, ist klar: Martin Grund ist kein Normalo. Ich stelle mein Fahrrad ab. Wir treffen uns auf dem Campus-Lachen, im weihnachtlich gestalteten Pavillon, um über SDG#15 Leben an Land zu sprechen.

Guten Tag, Herr Grund, was ist Nachhaltigkeit für Sie?

Martin Grund: Nachhaltigkeit heißt für mich, natürliche Lebensgrundlagen bewusst und verantwortungsvoll zu nutzen und z.B. sparsam mit Energie umzugehen. Seit ein paar Jahren fahre ich ein Lasten-Mobil mit recyclebarer Bleigel-Batterie.

Sie sind aktiv beim Naturschutzbund Deutschland, der sich für Biodiversität und Naturschutz einsetzt. Wie kam es dazu und was ist Ihre aktuelle Rolle beim NABU?

Martin Grund: Ich bin in Neustadt aufgewachsen und habe mich nach der Ausbildung zum Biologisch Technischen Assistenten zunächst mit den Temperatur-Sensoren von Tagfaltern beschäftigt, also damit wie sie es hinbekommen, sich warm und aktiv zu halten. Schließlich habe ich meine Leidenschaft für kulturlandschaftliche Themen entdeckt und bin nach Nürtingen gegangen, um Landespflege zu studieren. Im Rahmen meiner Abschluss-Arbeit habe ich den heimischen Speyerbach als Multimedia-Projekt unter die Lupe genommen, und zwar die ganzen 60 km vom Quellhang bis zur Mündung. Ich wollte herausfinden, wie sich der Lebensraum Speyerbach über die letzten 150 Jahre verändert hat und wie die Menschen in der Umgebung diese Veränderungen erlebt haben. Der Wunsch, vor Ort anzupacken hat mich zum NABU geführt, ganz im Sinne von „Wir sind was wir tun“. Ich war Initiator und Gründungsmitglied der NABU-Ortsgruppe Ich war eine Weile Co-Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Neustadt sowie über 10 Jahre Co-Vorsitzender. Heute bin ich Geschäftsführer für unser Leuchtturm-Projekt.

Erzählen Sie uns mehr von Ihrem Leuchtturm-Projekt.

Martin Grund: Es handelt sich um die Wiederbelebung ehemaliger Bewässerungsgräben im Bereich des Speyerbachs nördlich und östlich von Geinsheim. Im Süden des eigentlichen Bachlaufs durchzieht ein kilometerlanges Grabensystem die Landschaft, die durch Grünland geprägt ist. In den 70er Jahren wurde die Form der Wiesenbewässerung über die Gräben allerdings eingestellt. Ursache für die Aufgabe dieser traditionellen Grünland-Bewirtschaftungsform war die Wasserverschmutzung durch die zahlreichen Papierfabriken im Oberlauf des Speyerbachs sowie der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Dadurch kam es auch zum Verlust der Jahrhunderte alten Bewässerungsrechte. Warum nicht die Bewässerungsrechte zurückerwerben, das Grabensystem wieder an das Fließgewässer anschließen und so eine traditionelle Kulturlandschaft reaktivieren!? – Diese Idee hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Nach unzähligen Gesprächen, Anträgen und Genehmigungsverfahren sowie mit der tatkräftigen Unterstützung vieler Aktiver und Ehrenamtlicher ist sie mittlerweile Realität geworden.

Worauf sind Sie im Zusammenhang mit dem Projekt zwischen Fronmühle und Aumühle besonders stolz?

Nach Einschätzung der zuständigen Oberen Wasserbehörde handelt es sich aktuell um das größte Naturschutz-Bewässerungsprojekt in Rheinland-Pfalz! Besonders stolz bin ich auf den Schutz verschiedener seltener Pflanzenarten, Amphibien und Vögel, unsere Erlenbruch- und Erlensumpfwälder und darauf, dass unser Projektgebiet mittlerweile über 50 Angus-Rinder beheimatet. Auf diese Weise tragen wir also auch zur lokalen Nahrungsmittelproduktion bei.

Wann ist eine gute Jahreszeit, um das Schutzgebiet zu besuchen?

Unser „Pfälzer Amazonien“ ist im Frühjahr besonders belebt und eindrucksvoll. Wir, der NABU Neustadt, organisieren mehrmals jährlich Landschaftspflegeeinsätze mit unseren Mitgliedern. Dabei können wir stets Helfer gebrauchen. Sehr gerne bieten wir auch individuelle Führungen in unser Projektgebiet an. Wir garantieren ein ganzheitliches Erlebnis an der frischen Luft: Willkommen beim NABU Neustadt/Weinstraße – nabu-nws Webseite!

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Grund!

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