SDG Blog #13: KLIMASCHUTZ MASSNAHMEN

Ulrike/ Dezember 22, 2021/ SDG/ 0Kommentare

“Fliegende Elefanten werden abstürzen. Und zwar immer! Auch Elon Musk – egal wie der Investor heißt – kann die Naturgesetze nicht außer Kraft setzen!“. Das ruft Harald Lesch, der Welt-Erklärer der Nation, Frank Thelen, dem Investor und Wirtschaftsliberalen-Mäzen der Nation, zu. Die beiden diskutieren bei Markus Lanz in der Sendung vom 4. November über das Thema Energiewende und die Rolle der Kernenergie. Thelen meint, dass alles was an neuen Technologien möglich oder denkbar ist auch irgendwie nützlich im Sinne der sozial-ökologischen Transformation sei. Und er fügt hinzu, dass sich schließlich ja auch Bill Gates und Elon Musk für die Kernfusion engagieren, als wäre das ein Beweis. Lesch entgegnet, dass die technische Absicherung der Kernfusion aufgrund der Naturgesetze eine sehr hohe Hürde darstellt, die nicht in absehbarer Zeit überwunden werden kann. Man redet munter weiter aneinander vorbei. Thelen verzweifelt, weil Lesch die Innovationen, die er unter die Leute bringen will, bezüglich ihrer Relevanz für den Klimaschutz und das 1,5 Grad-Ziel in Frage stellt. Lesch verzweifelt, weil Thelen sich mit seinem Investoren-Sprech über knallharte Fakten hinwegzusetzen scheint. Später schreibt ein Zuschauer im Youtube Chat: Respekt an Herrn Lesch. Nur ein Weißbier in 30 Minuten trinken zu müssen, während man Frank Thelen zuhört, zeugt von nahezu perfekter Selbstbeherrschung.

Stimmt, Lesch nimmt während der Sendung immer wieder einen großem Zug Weißbier (um sich zu betäuben?!).  Ich muss lachen, obwohl mir zum Heulen zumute ist. In dem System, in dem wir leben, muss sich Klimaschutz lohnen, damit er stattfindet. Das gilt auf jeden Fall für den Ausbau der erneuerbaren Energien und der dazugehörigen Übertragungs-Infrastruktur inklusive Speicher. Das war das Thema bei Lanz. Es gibt zwei weitere Sorten von Maßnahmen zum Klimaschutz:

Aufhören: Energieverbrauch und klimaschädliche Emissionen vermeiden oder reduzieren

Die sauberste Energie ist diejenige, die man nicht verbraucht. Punkt. Wenn mich Menschen fragen, was sie ganz konkret zum Klimaschutz beitragen können, verweise ich oft auf den CO2 Rechner, z.B. des Umweltbundesamts (CO2-Rechner des Umweltbundesamtes) und auf die Idee eines „Weniger-ist-mehr-Wegs“. Mit Hilfe des CO2 Rechners kann jeder und jede seine / ihre größten eigenen Beiträge zum Klimawandel und damit die größten Hebel zum Klimaschutz herausfinden und sich einen Fahrplan erstellen. Da heißt es, Abschied nehmen von Gegenständen, Schluss machen mit gewohnten Verhaltensweisen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es sein kann, neue Rituale einzurichten und mit Rückschlägen klarzukommen. Am schwierigsten ist es wahrscheinlich, die eigenen Bedürfnisse zu hinterfragen statt immer nur der Herde nachzulaufen. Will und brauche ich den SUV, das argentinische Hüftsteak, das neue Sofa, den Malediven-Urlaub wirklich? Die wichtigsten Faktoren für den persönlichen CO2 Fussabdruck beziehen sich auf die Mobilität, das Wohnen, die Ernährung und den allgemeinen Konsum.

Ausgleichen: Klimaschädliche Emissionen durch Bindung von CO2 an anderer Stelle kompensieren

Die Grundannahme der Kompensation ist, dass nicht-nachhaltiges Verhalten durch (vermeintlich) nachhaltiges Verhalten ausgeglichen werden kann. Und da der Klimawandel den gesamten Globus betrifft, es also egal ist, wer an welcher Stelle auf der Welt klimaschädliche Emissionen erzeugt, kann auch das Klimaschutz-Projekt irgendwo auf der Welt stattfinden. Es gibt verschiedene Ideen zur Neutralisation von Emissionen. CO2 kann in natürlichen Senken gebunden werden, z.B. in Mooren, Humusschichten und Regenwäldern. Eine technische Variante ist die s.g. Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Carbon Capture Storage, CCS). Hier soll COaus Abgasen abgeschieden, verflüssigt und in ausgebeuteten Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten unter der Erde oder im Meeresgrund gespeichert werden. Als Naturwissenschaftlerin sehe ich diese Speicher-Optionen mit großer Skepsis. Denn wer kann garantieren, dass die Emissionen für immer dort im Untergrund verbleiben? Entweichen sie, ist das nicht nur eine Katastrophe für’s Klima, sondern auch eine unmittelbare Gefahr für uns Menschen. Weiterhin werden hier Lagerstätten gebraucht, die später als Wasserstoff-Infrastruktur dienen könnten, und die Abscheidung und Speicherung von CO2 erfordert unglaublich viel Energie und den Aufbau von geeigneten technischen Anlagen. Da bin ich erstmal froh über das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG), wonach die Speicherung nur erlaubt ist, wenn garantiert werden kann, dass die Emissionen vollständig und dauerhaft im Untergrund verbleiben, Zertifikate aus dem Speicherung nur ein Mal verkauft werden (keine Doppelzählung!) und das Speicherprojekt – egal wo es stattfindet auf der Welt – im Einklang steht mit den Entwicklungszielen des Landes.

Eins ist klar: Ausgleich bzw. Kompensation von Emissionen ist immer nur die drittbeste Lösung nach der Vermeidung und der Reduzierung von Ressourcen-Verbrauch. Ausgleich ist als Klimaschutzmaßnahme mit Vorsicht zu genießen, denn er verschiebt oder verwässert oft nur das Problem.

Herzliche Grüße, Eure Astrid

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