SDG Blog #9: INDUSTRIE, INNOVATION und INFRASTRUKTUR

Ulrike/ Oktober 11, 2021/ SDG/ 0Kommentare

„Wir wollen gemeinsam den Weg zu einer CO2-neutralen Chemieindustrie durch Elektrifizierung und den Einsatz von CO2-freiem Wasserstoff beschleunigen“, erklären die Vorstandsvorsitzenden von BASF und RWE, Brudermüller und Krebber. Die beiden sprechen von einem großen Klimaschutz-Projekt. Es geht um den Bau eines Offshore-Windparks mit einer Leistung von 2 Gigawatt in der Nordsee. Dieser Windpark soll den Chemiestandort Ludwigshafen mit grünem Strom versorgen und zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff dienen. Ziel ist es, die Produktion von Grundchemikalien zu elektrifizieren. Bisher liefern fossile Energieträger, z.B. Kohle, Erdgas, die dazu notwendige Energie.

Was ich an diesem Vorhaben gut finde ist, dass hier auf einen Schlag etwa 1% des Energiebedarfs in Deutschland „transformiert“ wird. Das Projekt ermöglicht die Vermeidung von 3,8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr! Die gesamte Wertschöpfungskette vom Windpark bis zu den Energie verbrauchenden Anlagen wird betrachtet und zusammenhängend geplant, so dass weder zu viel noch zu wenig Kapazitäten gebaut werden. Das heißt, dass dafür auch nur so viel Umwelt (z.B. Lebensraum für den Schweinswaal) und Ressourcen (z.B. seltene Erden) verbraucht werden wie nötig. Ein Gegenbeispiel: In Mecklenburg-Vorpommern wurde der Bau von doppelt so viel Windkraft Kapazität gefördert wie tatsächlich vor Ort im Bundesland gebraucht wird. Für die Hälfte der bereits installierten Kapazitäten gibt es (noch) kein Konzept dafür, wie die Energie die Orte des Bedarfs, z.B. in einem südlicheren Bundesland mit weniger Wind, erreicht. Es fehlen ein ausgearbeiteter Fahrplan für die Energiewende, marktreife Technologien zur Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie und Stromleitungen. Es fehlt Infrastruktur.

Innovationen und Infrastruktur sind Mittel, um zu …. Es muss klar sein, zu welchem Ziel und Zweck sie eingesetzt werden. Ich habe allerdings den Eindruck, dass Innovation und Infrastruktur zunehmend als ein Wert an sich angenommen werden. Fehlen sie, ist es schlecht, sind sie da, ist alles prima. Beispielsweise freuen sich alle, wenn’s Geld gibt für Digitalisierung, wenn in der Schule alle ein Tablet haben, an 5G angeschlossen sind und alle möglichen Prozesse automatisiert oder auf eine digitale Plattform umgehoben werden. Und zwar unabhängig davon, ob uns das effizienter und kostengünstiger macht, ob es unsere Lebensqualität erhöht, unsere Gesundheit verbessert, mehr Chancengerechtigkeit bringt oder ob es den Verbrauch natürlicher Ressourcen reduziert. Haben wir kein gemeinsames Verständnis vom Sinn und Zweck und kommen weiterhin sachgebundene Mittel ins Spiel, laufen wir zudem Gefahr, dass sich Individual-Interessen durchsetzen und auf kommunaler Ebene etwa „Schildbürger-Lösungen“ entstehen: mehr Straßen statt Mobilitäts- und Versorgungs-Konzept im ländlichen Raum, Neuausweisung von Bauland statt Schließen von Baulücken und Umnutzung existierender Gebäude, Umlegung ganzer Bachläufe statt Einrichtung von Überflutungsflächen, u.s.w.

Was meint ihr:

  • Wofür sollen Forschungsgelder eingesetzt werden, in welchen Bereichen brauchen wir dringend Innovationen?
  • Welche Infrastruktur-Elemente brauchen Überarbeitung oder müssen angepasst werden, um den künftigen Anforderungen der „Daseinsvorsorge“ zu genügen (z.B. Verkehr & Mobilität, Ämter und Verwaltungen, Gesetze und Regeln, Stromnetz, Wasserversorgung, Sozialversicherungen, Internet, ….)?

Bin gespannt auf eure Gedanken.

Eure Astrid

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