SDG Blog #6: SAUBERES WASSER

Ulrike/ August 9, 2021/ SDG/ 3Kommentare

Action-reiche Verfolgungsjagd am Westufer des Gardasees. Der britische Geheimagent James Bond wird in seinem Aston Martin von zwei Alfa Romeos verfolgt, aus denen auf ihn geschossen wird. In den Marmorsteinbrüchen von Carrara kann er sie schließlich abhängen. So beginnt „Ein Quantum Trost“, ein brutaler Machtkampf um Trinkwasser. „Es ist der wertvollste Rohstoff der Welt, wir müssen so viel wie möglich davon kontrollieren“, sagt der Bond-Bösewicht Dominic Green im Film. Dort bringen global agierende Verbrecher in Bolivien riesige Wasservorräte in ihren Besitz und steigern deren Wert durch Dürren, die sie mit Staudämmen selbst verursacht haben.

Atomkrieg, Virenterror oder Drogenkartelle. Die Bond Filme führen uns oft vor Augen, auf welche Probleme wir uns einstellen müssen. Nach dem Kampf ums Gold und dem Kampf ums Öl wird nun das Wasser zum ebenso knappen Gut. Und zum gefährlichen Machtfaktor. Fast zeitgleich zur Premiere des Films Ende Oktober 2008 – aber in der Realität (!) – findet eine Pressekonferenz in Moskau statt, auf der Bürgermeister Juri Michailowitsch Luschkow sein neues Buch Wasser ist Frieden vorstellt. Sein Plan: Nach dem Ende der russischen Brennstoffvorräte solle das Land zur „Wasser-Weltmacht“ aufsteigen. Ein Teil der Wassermengen des Ob soll durch unterirdische Leitungen in Richtung Zentralasien umgeleitet werden, um es an die unter Trockenheit leidenden südlichen Nachbarn zu verkaufen. Heute, über zehn Jahre später, beschäftigt mich die Frage wem Wasservorkommen eigentlich gehören, wer über sie verfügen kann, auf kommunaler Ebene. Denn unsere Nachbargemeinde erhebt gerade Anspruch auf die Entnahme von Grundwasser-Vorräten in „unserer“ Gemarkung! Wie werden die zuständigen Behörden wohl über diesen Antrag entscheiden?

Nach Angaben der Vereinten Nationen hat sich die Wasser-Entnahmemenge aus Flüssen, Seen, Reservoirs und Grundwasser in den letzten 50 Jahren vervierfacht. Bis zum Jahr 2050 wird mindestens ein Viertel der Weltbevölkerung unter Wassermangel leiden. Deutschland ist rechnerisch im Kampf um die Ressource Wasser in einer privilegierten Situation: Der natürliche Wasserumsatz ist dank konstanter Zuflüsse und Niederschläge etwa fünfmal so hoch wie unsere vorübergehende Entnahme. Trinkwasser ist auf der Welt weder gleichmäßig noch gerecht verteilt. Selbst in Deutschland kommt es lokal immer wieder zu Wassermangel, wenn über längere Zeit hinweg der Regen ausbleibt. Der Kontinent Afrika verfügt theoretisch über mehr Süßwasser als Europa oder Asien. Aber die Menschen ballen sich nicht dort, wo der wasserreiche Kongofluss durchs Land zieht. Sie konzentrieren sich am Nil, um den sich Länder mit besonders hohem Bevölkerungszuwachs streiten, z.B. Äthiopien, Sudan und Ägypten. Israel und Jordanien zanken um den Jordan, Irak und Syrien streiten sich mit der Türkei um die Nutzung von Euphrat und Tigris. Wie können wir sicherstellen, dass Menschen weltweit genügend sauberes Wasser zur Verfügung haben? „Wir vergessen manchmal, dass Wasserkreislauf und Lebenskreislauf das Gleiche sind“, hat Jacques Cousteau einmal gesagt. Müssten wir uns demnach nicht dafür einsetzen, dass die Menschen zum Wasser gehen? Wie immer gespannt auf eure Gedanken – Eure Astrid

3 Kommentare

  1. Übrigens, so kann man im Haushalt Wasser sparen 🙂
    – Obst und Gemüse nicht unter fließendem Wasser waschen, sondern in einer Spülschüssel
    – Wasser auch sonst nicht unnötig laufen lassen (z.B. beim Zähneputzen oder Einseifen unter der Dusche)
    – Toiletten Spülkasten mit Wasserstopp Funktion einbauen / nutzen
    – Tropfende Wasserhähne reparieren (bei einem Tropfen pro Sekunde gehen an einem Tag 20 L Wasser verloren)
    – Regenwasser sammeln, um Pflanzen zu gießen
    – Beim Kauf einer Wachmaschine oder Spülmaschine auf niedrigen Wasserverbrauch achten

  2. Wasser ist (nicht nur) für die Menschen eines der kostbarsten Güter. Man kann eine Woche nichts essen, aber gleichlang nichts trinken wäre überlebenskritisch. Kein Wunder also, dass schon seit antiken Zeiten Kriege ums Wasser geführt wurden – wenngleich nicht nur um Trinkwasser, sondern auch wegen der Schifffahrt, um territoriale Machtansprüche durchzusetzen, oder Industrieanlagen zu betreiben. Aus diesen und anderen Gründen haben die Menschen schon immer gern am Wasser gebaut. (Wir werden übrigens aus aktuellem und traurigen Anlass bald eine intensive und komplexe Debatte über den Wiederaufbau in den von der Flutkatastrophe zerstörten Ortschaften erleben.)
    Dabei gibt es auf der Erde „eigentlich“ genug Wasser. Allerdings ist ein großer Tei Salzwssser (oder Eis, zumindest noch). Der „Kampf ums Wasser“ wird also weitergehen. Frage: Wer ist der Schiedsrichter im Verteilungswettkampf um eine Mangelressource? Wer entscheidet so souverän und balanciert klug alle Interessen aus, wenn es um die Wasser-Leitung geht? Ich kenne bisher niemanden , der nicht Partikularinterssen verfolgt Beispiele: Große Flüsse und Seen in Asien und Afrika sowie Nordamerika: Die einen wollen einen größeren Anteil und bauen dafür neue Abflüsse oder lange Pipelines; die anderen befürchten (zurecht) um ihr bisheriges Gut.
    Darum sind Nachhaltigkeit, ESG, SDG etc., wenngleich oft schön definiert und ausformuliert, in der Praxis so schwierig. Wie bekommen wir die faire Zusammenführung hin? Wann befassen sich die angeblich weltmächtigen Gremien ernsthaft damit? Welche technischen Lösungsansätze gibt es – von der Meerwasserentsalzung bis zur Ressourcenschonung und Wiedergewinnung? Das alles wird übrigens viel Energie kosten – und über deren „Erneuerbarkeit“ und Verfügbarkeit wird ja auch intensiv diskutiert – womit wir bei einem anderen Thema wären…

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