SDG Blog #4: BILDUNG

Ulrike/ Juli 4, 2021/ SDG/ 2Kommentare

Herr Lemke, Frau Stimm, Herr Buhmann – Wenn ich ehrlich bin, schreibe ich diesen Beitrag hier wegen Ihnen. Ja, während der Schulzeit habe ich mich über Sie beschwert, wie über alle Lehrer. Denn Sie haben mir meine Freizeit geklaut und mich regelmäßig mit kniffeligen Klausurfragen und französischen Diktaten in die Predouille gebracht. Tatsächlich habe ich es Ihnen zu verdanken, dass ich sehr früh gelernt habe zu lernen und erlebt habe, dass es wie von selbst laufen kann, wenn man für eine Sache brennt. Das alles steht nicht im Lehrplan und war nur möglich, weil Sie die Extra-Meile mit mir gegangen sind: Sie haben mich zu Jugend forscht begleitet, mich auf eine Schüler-Akademie zum Thema „Ökologie und Ökonomie“ geschickt und mir beigebracht, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Dafür möchte ich Ihnen von Herzen danken!

Andererseits sind bis heute viele Inhalte des Lehrplans komplett aus meinem Kopf verschwunden. Einmal abgesehen vom Grundschul-Wissen. Warum ist das in vielen tausend Unterrichtsstunden Gelernte einfach weg? Vermutlich liegt es daran, dass ein Großteil der weiterführenden Lehrplan-Inhalte einfach nicht relevant ist für unser Leben. Kinder lernen heute fast das gleiche in der Schule wie ihre Eltern und Großeltern! Wer heute eingeschult wird, geht im Jahr 2070 in Rente. Welche Bildung brauchen die Kinder von heute für ihr Leben? Was müssen sie wissen, und was müssen sie können? Welche Herausforderungen werden sie in ihrem Zusammenleben meistern müssen und welche in ihrem Berufsleben? Diese Fragen stellen Kultusbürokratie und Kulturpolitik vor eine große Aufgabe. Denn jenseits der Auseinandersetzungen um „linke“ Gesamtschulen und „rechte“ Bildungsprivilegien von Bessergestellten muss es auch mal wieder um Inhalte gehen.

Der Begriff Bildung kommt übrigens vom althochdeutschen bildunga, was so viel bedeutet wie Vorstellung oder Vorstellungskraft. Bildung ist also mehr als nur die Vermittlung von nützlichem Wissen. Es geht darum, zu der Persönlichkeit zu werden, die man sein kann, aber noch nicht ist. Zu jemandem, der von sich, anderen und der Welt eine möglichst klare und realistische Vorstellung hat und auf dieser Basis sein eigenes Leben aktiv gestalten kann. Wusstet ihr, dass Bildung ein Menschenrecht ist? Sie ist hochwertig, wenn sie für jeden zugänglich ist und Bildungsziele auch erreicht werden, insbesondere für diejenigen, die ansonsten einen schweren Start ins Leben haben. Alle Kinder sollten zur Schule gehen können. Mindestens um lesen, schreiben und rechnen zu lernen und um bei der Beantwortung der Frage danach was ein gutes Leben ist begleitet zu werden. Diese Form der Wissensvermittlung und Begleitung ist daher das wichtigste Werkzeug für die selbstbestimmte Befreiung aus Armut und Abhängigkeit.

Was sind aus eurer Sicht die wichtigsten Ziele von Bildung? (1) Ein erfülltes Leben ermöglichen, (2) gut ausgebildete Fachkräfte für den Arbeitsmarkt bereitstellen und unsere  Wirtschaft wettbewerbsfähig halten, (3) Frieden sichern und Kultur über Generationen weitergeben? Ich bin gespannt auf eure Gedanken und Kommentare. – Eure Astrid

2 Kommentare

  1. Ich möchte Bildung in Fachlichkeit und Persönlichkeit trennen. Es gibt eine Grundbildung, die aus meiner Sicht von Schulen abgedeckte werden sollen und müssen. Gleichzeitig ist es aus meiner Sicht aber unabdingbar, dass Schulen den Kindern während dieser Bildungsphasen helfen, zu verstehen, wo die eigenen Schwächen und Stärken sind. Hier kommen wir in die Begrifflichkeit der Persönlichkeit. Neben der Aufgabe, dass ein Grundwissen vermittelt wird, gehört es aus meiner Sicht für eine erfolgreiche Bildung von Kindern und Jugendlichen, dass sie eine eigene Persönlichkeit entwickeln können. So dass sie ihre eigenen Schwächen und Stärken besser kennen.
    Um es mit Eckart von Hirschhausen zu sagen: Ich wünsche mir, dass Kinder während ihrer Bildung erfahren, ob Sie Pinguin oder Kamel sind und damit verstehen, wo ihre Stärken liegen, ob in der Wüste oder der Arktis:

    https://www.youtube.com/watch?v=Az7lJfNiSAs

  2. …. Bildung ist also mehr als nur die Vermittlung von nützlichem Wissen…/ ja – sehe ich aus so.
    Mein Wunsch wäre – dass hochmotivierte und vor allem talentierte Pädagogen die Wissensvermittlung übernehmen; angefangen mit den Betreuer/Inne/n im Kindergarten. Gute Arbeit muss allerdings auch (gleich) gut bezahlt werden; unabhängig vom Alter der Kinder bzw. SchülerInnen.
    Nico Peach verlangt u.a. das Fach Nachhaltigkeit mit in den Lehrplan aufzunehmen;
    aus meiner Sicht gehört der Bereich Nachhaltigkeit sogar schon in den Alltag der Kindergartenkinder.
    …..Wissensvermittlung und Begleitung ist daher das wichtigste Werkzeug…../ ja – und sicher auch der Weg hin zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit und weg vom Egoismus.

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